Infos und Beispiele zu kalkulatorischen Zinsen

Kalkulatorische Zinsen sind im Rechnungswesen eines Unternehmens diejenigen Zinsen, die bei Anlage des Unternehmenskapitals auf dem Kapitalmarkt erzielt worden wären. Der Begriff möchte definieren, inwieweit ein Unternehmen mit seiner Eigenrendite die üblichen Anlagemöglichkeiten übertrifft oder nicht erreicht.

Betrachtungsgrundlagen kalkulatorischer Zinsen


Das Kapital eines Unternehmens ist zunächst einmal in seinen Bestandspositionen (Anlage- und Umlaufvermögen) sachlich gebunden. Die Betrachtung kalkulatorischer Zinsen findet daher sehr theoretisch statt, denn für eine Anlage am Kapitalmarkt hätte das komplette Unternehmen verkauft werden müssen, was nie zum reellen Wert möglich ist.

Des Weiteren spielt bei der Betrachtung kalkulatorischer Zinsen die theoretische Möglichkeit der Verzinsung von freiem Eigenkapital und von Fremdkapital statt.
Kalkulatorische Zinsen
Ein Kapital nehmendes Unternehmen muss den Zinsaufwand für Fremdkapital als Kosten gegen die kalkulatorischen Zinsen dieses Kapitalanteils gegenrechnen, woraus sich regelmäßig ein negativer Betrag ergibt, da die Kreditaufnahme fast durchweg teurer ist, als eine Geldanlage einbringen kann. Der Kapitalgeber kann durch die Fremdfinanzierung eines Unternehmens einen Gewinn über den kalkulatorischen Zinsen erzielen.

Bei der Verzinsung von Eigenkapital durch die wirtschaftliche Tätigkeit kann das Unternehmen mit keiner festen Rendite rechnen, diese kann auch negativ ausfallen. Durchschnittliche Renditen in der deutschen Wirtschaft bewegen sich aber im produzierenden Gewerbe, in der Industrie und im Handwerk langfristig zwischen 10 bis 30 Prozent und liegen damit über den kalkulatorischen Zinsen. Ansonsten würde wirtschaftliche Tätigkeit gar nicht stattfinden.

Kalkulatorische Zinsen im Rechnungswesen

Im Rechnungswesen dürfen kalkulatorische Zinsen nicht fiktiv als Aufwand für das Eigenkapital angesetzt werden. Der tatsächlich Gewinn ist auszuweisen, was kalkulatorisch am Kapitalmarkt hätte erzielt werden können, ist steuerlich nicht relevant. Allerdings entstehen durch entgangene Zinsen sogenannte Opportunitätskosten, die vor allem dann eine Rolle spielen, wenn die Rendite des Unternehmens unter den kalkulatorischen Zinsen liegt und gar negativ ausfiel. Diese Opportunitätskosten ermittelt das Unternehmen für die interne Rechnungsführung über die kalkulatorischen Zinsen. Das Unternehmen macht sich damit bewusst, was es mit seinem Kapital auch hätte anfangen können, wenn es nicht in die wirtschaftliche Tätigkeit geflossen wäre. Diese Betrachtung dient quasi als Benchmark. Wenn ein Unternehmen langfristig weniger Rendite (etwa unter drei Prozent) erzielt, als eine Kapitalmarktanlage einbringen würde, wäre tatsächlich die Überlegung angebracht, ob ein Verkauf und die anschließende Kapitalmarktanlage des Erlöses nicht lohnender wäre. Auch diese Überlegung bleibt freilich in der Regel theoretisch, da ein Unternehmen noch mehr Aufgaben hat (unter anderem Arbeitsplätze zu schaffen) als nur den reinen Gewinn zu erzielen. Dennoch sind die kalkulatorischen Zinsen für die Effizienzbetrachtung des Unternehmens essenziell und weisen auf die tatsächliche Rendite hin.